Stadtflucht nach der Pandemie?

Die Corona-Erfahrungen könnten zur verstärkten Abwanderung aus Stadtzentren führen. Nach einer Studie des ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Immobilienportal Immowelt haben sich zahlreiche  Großstadt-Bewohner vorgenommen, aus den Metropolen wegzuziehen.

Viele Immobilienmakler sehen schon seit geraumer Zeit das Phänomen: Landflucht der Migranten und jungen Erwachsenen, Stadtflucht der Familien. Die Pandemie hat den Trend zur Stadtflucht nach den neuen Daten verstärkt. Besonders attraktiv sind die „Speckgürtel“ rund um die Metropolen.

Nach der Studie will mehr als jeder achte Bewohner (12,9 Prozent) in Städten mit über einer halben Million Einwohner binnen maximal eines Jahres verlassen.

Fast die Hälfte der 18.000 Befragten nennt als wichtigen Grund für die Entscheidung, aufs Land oder in eine kleinere Stadt ziehen zu wollen, die Situation in der Corona-Krise. Angesichts geschlossener Restaurants, Clubs, Bars und Geschäfte sowie fehlender Kulturveranstaltungen gingen viele Vorteile verloren. Auch erleichterte das Homeoffice das Leben außerhalb der Städte.

Weniger Kompromisse

„Viele Befragte geben an, in Zukunft weniger Kompromisse bei den eigenen Wohnverhältnissen machen zu wollen, da sie aufgrund der Pandemie mehr Zeit zu Hause verbringen“, erklärte Jan-Carl Mehles, Leiter der Marktforschung bei Immowelt und Co-Autor der Studie. Konkret sagten 5,3 Prozent der befragten Bewohner der großen Großstädte, innerhalb von sechs Monaten die Stadt verlassen zu wollen. Weitere 7,6 Prozent hätten das Ziel, das binnen zwölf Monaten tun. Umzüge in andere große Großstädte zählten dabei nicht mit.

Darüber hinaus sei auffällig, dass bei den Menschen außerhalb der großen Städte kein besonders hoher Wunsch vorhanden sei, dorthin zu ziehen, so Dolls. Sie seien kein Sehnsuchtsort.

Die aktuelle Studie bestätigt eine frühere des Instituts der Deutschen Wirtschaft aus dem März: Demnach ziehen bereits seit 2014 mehr Menschen aus den Innenstädten ins Umland als andersherum. Die größte Gruppe seien dabei 35- bis 50-Jährige.

Der Trend könnte vorerst anhalten: Der ifo-Umfrage zufolge hegen jenseits schneller Umzugspläne noch viel mehr Bewohner der großen Städte Wegzugsgedanken. Das bringt neue Herausforderungen mit sich. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine bessere Anbindung des suburbanen an den urbanen Raum und ein Ausbau der Bildungsinfrastruktur in den betroffenen Kommunen an Bedeutung gewinnen werden“, so ifo-Experte Dolls. (Quelle: Tagesschau.de)


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